Versagen bei Yline: WebLine überverkauft

Das Internet wirft seit seiner Entstehung immer wieder ein Licht auf die beunruhigende Realität der Online-Sexindustrie. Die Erotikbranche hatte schon immer einen furchtbaren und verbesserungswürdigen Ruf, was erklärt, warum immer mehr Menschen erkennen, dass sie zum Wohle der Malträtierten – in den meisten Fällen SexarbeiterInnen – ihren Konsum beenden wollen. Werner Böhm hingegen sah dies als einen günstigen Umstand an.

Bevor das inzwischen aufgelöste Internetunternehmen 2001 in die Krise geriet, wurde der Yline Gründer Werner Böhm wegen Überbewertung von Sachleistungen und Schaden in Millionenhöhe für das Unternehmen angeklagt.

Untreue Anklagen

Die WebLine wurde als reine Sachleistung in die Yline integriert. Zu diesem Zweck wurde eine Kapitalerhöhung von 15.085 Aktien zu einem Preis von 100 Euro je Aktie durchgeführt, die später über eine Million Euro einbrachte. Der Hintergrund war, dass 74 % der erworbenen Anteile an der WebLine viel zu hoch bewertet waren. Bei der Bewertung der WebLine durch den Unternehmensberater Ernst & Young kam es zu einer “massiven Fehleinschätzung”. Das Vorgehen sei “völlig System-widrig, die Berechnungen gingen an der Realität vorbei”, so der Experte. Später stellte sich auch heraus, dass die Website, die WebLine zur Erbringung ihrer Internet-Services GmbH nutzte, vom Netz genommen wurde.

In einer der Gerichtsverhandlungen bestritt Böhm derartige Vorwürfe und behauptete, alles sei nach Plan verlaufen. Sie hätten erfolgreich ihre Zielnutzer akquiriert – nur nicht ihre zahlenden Abonnenten. Um dies zu verhindern, rief Böhm weitere Investoren zusammen.

20 Millionen Euro Schaden

Als Sacheinlage gegen neue Aktien wurde die deutsche Investition Primus Services erworben, womit Yline laut Anklageschrift ein Schaden von 20 Millionen Euro entstand. Böhm verteidigte sein Geschäft auch damit, dass hinter Primus der deutsche Handelskonzern Metro stehe und dass er den Tausch von Sacheinlagen gegen YLine-Aktien als unproblematisch ansehe. Zusätzlich zu seiner Aussage ergänzte er, dass YLine mit Primus im Internethandel Erfolg haben wolle.

In ihrem kurzen Bestehen an der Börse ging es auf und ab: Die YLine-Aktie hatte im März 2000 mit 278 Euro ihren Höchststand erreicht. Kurz vor dem Bankrott im September 2001 war die YLine-Aktie nur noch 60 Cent wert.

Die Überschuldung von WebLine und Yline zog alle Beteiligten mit in den Abgrund. Rechtliche Fragen zur Beschäftigung von Ausländern sind nicht geklärt, in vielen Fällen waren die von WebLine beschäftigten Frauen in vielen Fällen nicht sozialversichert und wurden nie entschädigt.

Die Überschuldung von WebLine und Yline zog alle Beteiligten mit in den Abgrund. Rechtliche Fragen zur Beschäftigung von Ausländern wurden nie geklärt, in vielen Fällen waren die von WebLine beschäftigten Frauen nicht sozialversichert und wurden niemals entschädigt. Alle Einlagen der Investoren sind nie zurückgeflossen, selbst hart erarbeitete Rentenfonds wurden hinters Licht geführt und betrogen. Obwohl die Pornoindustrie ein skandalöses Gewerbe ist, gibt es nichts Skandalöser als von Betrügern getäuscht zu werden.

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